3. Februar 2006

Von Corinna Daniels

 

Drei Maler aus Brooklyn in der Galerie Markus Winter

Neu in der Stadt sind nicht nur die Künstler, sondern auch ihr Galerist Markus Winter. Vielleicht so etwas wie der Geheimtip unter den Newcomern. Selbst Künstler und Kunsthändler wie Duchamp, hat er bei Gerhard Merz in Düsseldorf studiert und vier Jahre in New York mit Kunst und Antiquitäten gehandelt. Jetzt startet Winter in Berlin eine Galerie für Zeitgenössische Kunst.

Was er in seiner zweiten Ausstellung bietet, ist eine wißbegierige Sicht auf die neue Abstraktion, die von New York ausgeht: "New York Abstraction 2006" lautet der Titel - und damit das Programm - der Schau. Kuratorin Stephanie Buhmann hat drei bemerkenswerte Künstler, die in Brooklyn leben, aussgewählt. Die geglückte Mischung zweier Jungkünstler und eines Malers, der mit seinen Arbeiten bereits im MoMA und im Whitney Museum vertreten ist, stellt verschiedene Herangehensweisen vor und macht Gemeinsamkeiten und Unterscheide deutlich. So wird die Sache nicht langweilig.

Statt monochromer Eintönigkeit herrscht Vielseitigkeit. Mit System nähert sich Matthew Abbott, Jahrgang 1965 und der Älteste, der Leinwand. Er weiß vorher genau, wo ihn die Arbeit hinführen soll. Buchstaben und geometrische Formen sind wie mit dem Raster komponiert, die Rot-Töne sauber voneinander geschieden oder auch ineinander übergehend verarbeitet. Bryan Osburn (Jg. 1974) hingegen, der mit Hard-Edge-Malerei begann, hangelt sich zeichnend und malend von einem Punkt zum anderen. So entstehen unvorhergesehene Ornamente mit sinnlich-spontaner Qualität. Die abwechslungsreichen Formen wuchern unwillentlich zu bunten, ansprechenden Bildern, die ein vielfarbiges Zeugnis von Intuition und bildnerischen Wendepunkten ablegen.

Auch für den Dritten im Bunde, Jim Lee, ist es die erste Präsentation in Deutschland. Er versteht die Leinwand nicht nur als Farb- und Bildträger, sondern verleiht ihr skulpturalen, dreidimensionalen Charakter, der sich souverän den Raum erobert. Ein Werk steht wie eine schiefe Tür von der Wand ab. Die Keilrahmen sind beidseitig bespannt und mit weißer Farbe versehen. Toll treibt er es mit seinem zweiten Werk, das neben gezeichneten, ausgeschnittenen und eingefügten Flecken ein Loch durch die Leinwand bis tief ins Gemäuer offenbart. Den Blick auf das Innenleben der Wand und ihrer stofflich gar nicht so eindimensionalen Struktur gerichtet, stellt sich die Frage: Wo hört die Leinwand auf, wo fängt die Zeichnung an und wo die Skulptur?

Die Preise liegen zwischen 2200 Euro für ein kleineres Gemälde von Bryan Osburn und 8000 Euro für ein Großformat von Matthew Abbott. Die ungewöhnlichen Arbeiten von Jim Lee kosten 5800 Euro.

Galerie Markus Winter, Chausseestraße. 104 (U-Bahn Zinnowitzer Straße); bis 25. Februar. Mi-Sa 14-18 Uhr.

 

 

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