REVIEW by PETRA HENNINGER

3. Februar 2006

Den vorderen Teil der Räumlichkeiten an der Chausseestraße – ein durch Oberlicht erhellter White Cube – nutzt Markus Winter. Er hat bei Gerhard Merz in Düsseldorf Freie Kunst studiert und einen Abschluss in Kunstgeschichte und Philosophie an der dortigen Universität abgelegt. Bis vor kurzem war er als Kunsthändler in New York tätig, zuletzt bei Doris Leslie Blau, die seit über 30 Jahren sehr erfolgreich mit exklusiven Teppichen und Antiquitäten handelt. Parallel dazu galt jedoch sein Hauptinteresse immer der zeitgenössischen Kunst und was sich in den New Yorker Ateliers in der letzten Zeit an neuer Abstrakter Kunst entwickelt hat, für die Winter ein spezielles Faible hegt, will er nun nach Berlin bringen.

So nennt sich denn die zweite Ausstellung in den neuen Galerieräumen, die am 14. Januar eröffnete, New York Abstraction 2006 und zeigt brandaktuelle Arbeiten junger New Yorker Künstler, die sich von der sonst so stark im Trend liegenden figurativen Malerei bewusst abgrenzen. Vertreten ist Jim Lee mit Arbeiten, die an der Schnittstelle von Malerei und Skulptur operieren und im weitesten Sinne von der Minimal Art inspiriert sind. Bryan Osburn, der als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen Max Ernst und den Surrealismus benennt, zeigt Malerei, die in ihrer Verspieltheit an das Design der 1950er Jahre erinnert. Mit floralen wie streng linearen Elementen verhandelt er in Peacock in the Parlor einen fast vollkommen abstrahierten Blick in seinen Garten. Um die harten Linien zu erzeugen, arbeitet er mit Abklebungen, wodurch die in der Schau gezeigten Gemälde den Eindruck erwecken, man habe es mit dem Entwurf einer Tapete zu tun. Beide Bilder entfalten mit ihrem ausgefeilten Netzt an Linien und Mustern – besonders auf die Ferne hin – eine sehr starke Wirkung.

Matthew Abbott, der älteste der drei Künstler und ebenfalls mit zwei abstrakten Werken vertreten, hat bereits in der Sammlung des Museum of Modern Art und in der des Whitney Museum of American Art Werke zu verzeichnen. Markus Winter hofft, mit dieser Ausstellung einen der ganz aktuellen Trends des New Yorker Kunstgeschehens nach Berlin vermitteln zu können. Diese Vermittlertätigkeit zwischen dem New Yorker und Berliner Kunstgeschehen ist es, die dem Galeristen auch für die Zukunft bei der Gestaltung des Programms seiner seit Oktober 2005 bestehenden Galerie besonders am Herzen liegt.