PRESSEMITTEILUNG

New York Abstraction 2006: Drei in Brooklyn lebende Maler

Vom 14. Januar bis zum 25. Februar 2006

Seit den frühen 1940er Jahren, als unter anderem die Arbeiten Arshile Gorkys, Jackson Pollocks und Willem de Koonings die erste eigenständige amerikanische Kunstbewegung mitbegründeten, ist New York der abstrakten Kunst verpflichtet. Von der expressiven Gestik der sogenannten New York School über die in sich fließenden Farbfelder von Mark Rothko, Helen Frankenthaler oder Morris Louis, bis hin zu den minimalistischen Geometrien Ad Reinhardts und Frank Stellas, hat sich das Abstrakte immer wieder als ausschlaggebende Sprache bewährt und Künstler verschiedenster Generationen dazu bewegt, sie als visuellen Agenten Ihres Zeitalters einzusetzen.

So scheint es nicht erstaunlich, dass auch heute, im Kontext eines weltweiten Revivals der figurativen Kunst, viele junge Maler in New York der Abstraktion weiterhin anhängen oder besser, sie wiederentdecken. Da im Vergleich zu der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nun die abstrakte Kunst fast als klassisch angesehen ist, scheinen ihre Verfechter Befürworter einer modernen Romantik zu ähneln, die weiterhin den Gedanken vertreten, dass unser technologisch bestimmtes Zeitalter nur abstrahiert eingefangen werden kann.

Dennoch, die zeitgenössische Kunst als zweigeteilt zu klassifizieren wäre zu einfach - der Spalt verläuft nicht gradlinig. Innerhalb der groben, kategorischen Einteilung in abstrakte und figurative Kunst, etablieren sich zahlreiche Facetten, die es zu erörtern gilt. Drei junge New Yorker Beispiele aus dem abstrakten Bereich werden mit dieser Ausstellung erstmals dem Berliner Publikum vorgestellt.

Matthew Abbott. In Matthew Abbotts Arbeiten gibt es keine Horizontlinie, die eine klassische Perspektive vermitteln könnte. Im Gegenteil, das Netz, welches sich aus klar getrennten und im Lack vibrierenden Formen, geometrischen Elementen und Buchstaben vor dem Betrachter entfaltet, vermittelt umgehend eins: die Wahrheit und Essenz der Komposition liegt an der Oberfläche - nichts bleibt verborgen. Der psychedelische Stil 1960er Popkulturillustrationen, islamische Mosaike, fernöstliche Mandala Zeichnungen und westliches Grafikdesign finden ihren Anklang in Werken wie "Repetition, Repetition, Repetition" und "Noises for the Leg" und erzeugen durch zeitgenössische Transparenz ihren unwiderstehlichen Rhythmus. Musik generell ist eine ausschlaggebende Inspirationsquelle für Abbott, der seine quadratischen Leinwände zum Teil auf seine Vorliebe für Schallplattenhüllen zurückführt. Die sehr musikalische Qualität der Bilder wird überdies durch die aufwendig geplante Verteilung der Farbfelder sowie der Farbpalette verstärkt. Eine fast renaissanceartige Kompositionsplanung liegt am Anfang jedes Bildes und zielt darauf eine perfekte Balance zu erzeugen, die dennoch Raum für Bewegung lässt. Obwohl in England geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet Matthew Abbott seit über zehn Jahren in Brooklyn, New York. Seine erste Soloaustellung in New York hatte er 1994 bei Fawbush. Desweiteren wurden seine Arbeiten bei Boesky & Callery, New York/ Pageant, Los Angeles/ The Tannery (project space), London/ Black Bull, London und Marlborough Gallery Chelsea gezeigt. Seine Werke befinden sich in Sammlungen wie dem Brooklyn Museum of Art, New York, dem Denver Museum of Art, Colorado, dem Museum of Modern Art, New York sowie dem Whitney Museum of American Art, New York. Dies ist Abbotts erste Ausstellung in Berlin.

Jim Lee. Besonders an der Grauzone, die abstrakte Malerei von der Bildhauerei trennt, interessiert, konstruiert Jim Lee Arbeiten, die sich häufig einer einschlägigen Kategorisierung entheben. Werke wie "Lurch" und "Untitled, Holy Mass" zeugen von der Fantasie des Künstlers und im gleichen Atemzug demonstrieren sie ein starkes Gefühl für minutiöse Detailarbeit. Trotz ihrer aufwendigen Konzipierung, erscheinen die Werke als spielerisch leicht und humorvoll. Während "Untitled, Holy Mess" den Betrachter mit einem Holzskelett, welches sich in die Rückwand des Ausstellungsraums vorwagt, überrascht, ähnelt "Lurch" einer lebendig gewordenen Leinwand, die sich in koketter Pose, in die Hüfte stemmt und aufwieglerisch von der Ausstellungswand zu lösen versucht. Der Titel "Lurch" ist sowohl beschreibend (die freie Übersetzung ins Deutsche lautet "plötzlicher Ruck" oder "schwankender Gang") im Bezug zur Gestik des Werks, sowie Hommage an eine Figur der amerikanischen Sitcom "The Addams Family". Wie der übergroße Familienbutler dieser Serie, ein charmanter Frankenstein-Verschnitt, ist "Lurch" hilflos und bestimmt - Tolpatsch und Genie zugleich. Jim Lee lebt und arbeitet in Brooklyn, New York. Seine Werke wurden in zahlreichen Galerien im New Yorker Raum, darunter CRG/ Mixed Greens/ Barbara Mathes Gallery/ Wooster Arts Space und Morsel, sowie in Philadelphia, Boston, New Jersey und Delaware gezeigt. Dies ist seine erste Ausstellung in Berlin.

Bryan Osburn. Komplexe Farbmuster und eingegrenzte Flächen ziehen sich wie Rauchschwaden durch Bryan Osburns "Peacock in the Parlor" und initiieren ihren eigenen Dialog. Geschlängelte Bahnen überbrücken die ausschlaggebenden Elemente und fungieren als physische Verbindung - die konfusen doch funktionellen Strassen einer Großstadt. Die Position des Betrachters bleibt unbestimmt, doch kommen globale Infrastrukturen gesehen aus der Vogelperspektive oder aufwendig gestaltete Kartografien in den Sinn. Während das Auge des Betrachters Osburn's Arbeiten regelrecht bereist, wird klar das des Rätsels Lösung stetig in unbestimmte Ferne rückt: Je weiter man hineindringt in dies süchtig machende Labyrinth ausgefallener Formen und abstrakter Farbtexturen, desto tiefer versinkt man in Osburn's Welt. Inspiriert durch den Surrealismus, insbesondere durch das Werk des Max Ernst, sowie dem abstrakten Design der 1950er Jahre ergeben, bestimmt Osburn den künstlerischen Werdegang jedes Werks instinktiv und improvisatorisch. Stück um Stück vergrößert sich das Geflecht von abstrakten Elementen und assoziativen Formen bis eine Balance erreicht ist, die alle Fragmente zu einem Ganzen werden lässt. Bryan Osburn lebt und arbeitet in Brooklyn, New York. Er hat seinen Masters of Fine Arts Abschluss vom Pratt Institute, Brooklyn, erhalten und hat seine Werke zuletzt im Bauverein, Hamburg/ Marlborough Gallery Chelsea/ Nora Haime Gallery, New York und Galerie O · H+T in Boston, MA. Dies ist seine erste Ausstellung in Berlin.

Stephanie Buhmann. Stephanie Buhmann hat 2002 ihren Masters in Kunstgeschichte vom Pratt Institute, Brooklyn, mit Auszeichnung erhalten. Seit 2001 hat sie verschiedenste kuratorische Projekte in unabhängiger Arbeit geleitet, darunter New York Art Independent 01 - 03 , eine Serie von Ausstellungen im Hamburger Raum und Under the Influence , ein Projekt für die Barbara Mathes Gallery, New York in Zusammenarbeit mit Simone Joseph. Ihre Texte und Kunstkritiken werden unter anderem in The Brooklyn Rail, Art on Paper, und Artcritical.com publiziert.

 

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